Ku -Ki e.V. in Nepal

Auch wenn es sinnvoll sein mag, Kindern in armen Ländern zu helfen, so mussten wir doch auch einige Schattenseiten kennenlernen! Wenn man nicht persönlich vor Ort ist, kann man nicht garantieren, dass die Hilfe die man leisten möchte auch durchgeführt wird. Persönliche Bereicherung und Korruption sind Probleme, allerdings gibt es noch weitaus furchtbarere Abgründe. Wir haben einmalig ein Waisenhaus unterstützt durch eine Spende, die uns geziehlt für diese Einrichtung zur Verfügung gestellt wurde. Je länger unser Vorsitzender Flonn Decker, im Jahr 2008, dort war, desto undurchsichtiger wurde es. Im nachhinein war noch nicht einmal auszuschließen, dass es sich um ein professionelles Geschäft mit der Armut handelte bis hin zu dem Verdacht des Menschenhandels für Zwangsarbeit oder Prostitution.

Dennoch ging unser Projekt 2010 in Nepal weiter. Wir haben Anne Keienburg als Praktikantin gefunden. Anne hat für Ku - Ki e.V., fast 4 Monate, von Mai bis August in Nepal ein Praktikum durchgeführt.
Auch wenn Anne phantastische Arbeit leistete, haben wir uns dennoch entschieden zur Zeit keine Entwicklungshilfe zu leisten und uns auf unsere Projekte in Kassel zu beschränken.

Entwicklungshilfeprojekt Waisenhaus Nepal im April 2008

Wir möchten hiermit über das erste Entwicklungshilfeprojekt vom Verein Kunst und Kinder
(Ku - Ki e.V.), Vereinssitz Cassel,  berichten. Da Flonn Decker vom Ku – Ki e.V. allein vor Ort war, wird es nicht immer zu vermeiden sein in der ersten Person zu schreiben. Bei allen Dingen über die hier berichtet wird, geht es aber um die Sache und die Inhalte, ich bin nur ein Diener des ganzen und ein kleiner Teil. Wenn Sie sich über das Gesagte freuen, oder gar dankbar sind, danken Sie es allen Menschen, die daran beteiligt sind oder auf welche Weise auch immer ihren Beitrag dazu leisten.

Im März 2008 bin ich aus geschäftlichen Gründen nach Indien gereist um dort Ware für meine Tätigkeit als Kaufmann einzukaufen (www.bravelights.com), in diesem Zuge war es einfach auch nach Katmandu, Nepal zu reisen. Die Kosten dafür hat die Firma bravelights getragen und weder Flug, Unterkunft oder irgendwelche weiteren Kosten sind Ku - Ki e.V. dadurch entstanden.
Im Vorfeld dieser Reise wurden von mehreren Freunden Gelder gesammelt um das Waisenhaus "Yossa Nepal" zu unterstützen. Diese waren 2001 in Nepal und haben dort die Zustände des Landes, das Waisenhaus und unseren nepalesischen Mitarbeiter Nabin Tamang kennengelernt. Seitdem unterstützen die beiden das Land, das Waisenhaus und Nabin.

Als ich im April 2008 in Katmandu landete, wurde ich von Nabin am Flughafen abgeholt, der mir ein Hotel für 3,30€ die Nacht in der Altstadt Katmandus reserviert hatte. Da das Waisenhaus "Yossa Nepal" über geringe finanzielle Mittel verfügt, ist es diesem bisher nicht möglich gewesen Nabin anzustellen und zu bezahlen. Nabin war selber Straßenkind und ist von einem englischen Gentlemen nach Indien gebracht worden, wo er in dessen Restaurant in Indien gearbeitet hat. Es war nie auf einer Schule, sondern hat die englische Sprache, lesen, schreiben, rechen und weitere Grundbildung durch Touristen in diesem Restaurant gelernt. Später kehrte er in seine Heimat Nepal zurück. Nabin Tamang ist Buddhist, hat 3 Kinder, Sonya, Patric und Nabina, sowie ein weiteres Kind von der Strasse aufgenommen, welches nicht anders als seine eigenen Kinder behandelt wird in allen Belangen des Lebens. Nabin arbeitet in einem Geschäft als Verkäufer, 7 Tage die Woche, 12 Stunden am Tag und verdient dort 30€ im Monat. Dies Geld wäre nicht ausreichend um seine Familie zu ernähren, einen Wohnort zu finanzieren, die Kinder auf gebührenpflichtige Schulen zu schicken..... Er hat es geschafft ein Netzwerk aus Europäern um sich aufzubauen, die ihn unterstützen, was auch die europäischen Namen Sonya und Patric seiner älteren Kinder erklärt. Bei alledem was noch passieren sollte, mag ich über Nabin kein schlechtes Wort verlieren und wir sind weiterhin in Kontakt, auch jetzt, Ende 2013 noch.


Zunächst war es schwer Yossa Nepal überhaupt zu finden, da die Organisation in verschiedene Organisationen zerfallen ist und ich zunächst ehemalige Mitglieder getroffen habe, die auch weiterhin ein Waisenhaus führen. Ich habe die Zeit genutzt und mir weitere Waisenhäuser und Einrichtungen die Straßenkinder unterstützen anzusehen. In diesem Zuge war ich in verschiedenen hinduistischen, christlichen, muslimischen Häusern und habe auch die buddhistische Exilgemeinschaft der Tibeter getroffen. Die Zustände im Land sind erschütternd, es ist etwas völlig anderes Armut und Straßenkinder aus den Medien mitzubekommen, oder mit eigenen Augen in hungrige Gesichter zu schauen oder auch Kleinkinder beim Klebstoffschnüffeln durch die Strassen ziehen zu sehen. Das ganze in einer bunten und wunderschönen Kultur, beeindruckender Naturschönheiten und Menschen die trotz allen materiellen Widrigkeiten so fröhlich, verspielt sind und so viel Lachen, daß man sich fragt wo sind diese Dinge in unserer Wohlstandsgesellschaft geblieben sind....
Ich bin übrigens auf ehemalige Yossa Nepal Mitarbeiter gestoßen, da diese die ehemalige Homepage mitgenommen haben und ihren eigenen Kontakt weiterhin als Yossakontakt angeben. Als Nabin dann endlich die neue Telefonnummer von Ram Bhandari, den Vorsitzenden von Yossa, aufgetrieben hat wurde die Sache erst richtig kompliziert. Viele nepalesisch NGOs (non goverment organisations - nicht Regierungsorganisationen) kennen sich untereinander und werfen dem jeweils anderem Betrug und Veruntreuung von Spendengeldern vor. So auch in diesem Fall, die verschiedenen ehemals Yossas werfen sich gegenseitig persönliche Bereicherung vor.
Im Waisenhaus traf ich 10 entzückende Kinder, die Mutter von 2 der Kinder, welche vom Vater verlassen wurde (leider ein häufiges Schicksal der Mütter) und 2 Praktikanten die von VSN (Volunteer Service Nepal) dorthin entsandt wurden (Bianca aus Stuttgart und Alfi aus England).
Gegen Ram Bhandari wurden schwere Vorwürfe erhoben, aber ich konnte nicht einen Beweis finden.
Ich treibe seid 7 Jahren mit Indien Handel und das Denken und die Ausdrucksweisen der Menschen unterscheiden sich von "der westlichen Kultur" erheblich. Was bei uns als Lüge gilt, kann in Indien durchaus als wahr anerkannt werden... ich habe dies "indische Wahrheiten“ genannt. Auf ein Beispiel: Als ich 2001 das erste mal in Indien war, ist mir Geldbörse mit Kreditkarte gestohlen worden (meine Wahrheit) bzw. verloren gegangen (indische Wahrheit), ich wollte mit der Karte meine Warenbestellung bezahlen, bei Leuten, mit denen ich das erste mal Geschäfte machte. Ich war also entsprechend gestreßt und mußte eine Menge organisieren und mit Kreditkartenmitarbeitern in Indien, Deutschland und den USA kommunizieren... aufgrund der Zeitunterschiede verlor ich mehrere Tage und mein persönliches Bargeld wurde auch immer knapper. In Indien wird man von jedem Rikschafahrer (Taxi) nach 5 Minuten "guter Freund" genannt, ich hab mich als weiße Geldkuh gefühlt und war entsprechend genervt. Nun kam ich in das Haus von Netaji Rajesh Sharma, ein Edelstein und Silberhändler. Dieser sagte nach 5 Minuten "I am your Papa" (Ich bin dein Papa), ich sträubte mich heftig, doch er blieb hartnäckig. Zeitgleich hat er Sarah, eine australische Touristin, mit der ich dorthin gekommen bin so geschickt um die Finger gewickelt, daß diese Schmuck mit Smaragden hat anfertigen lassen. Netaji fragt nach meinem Geburtstag, 18. März antworte ich, er kriegt große Augen und sagt, was wir haben am gleichem Tag Geburtstag und fuhr weitere Argumente auf und blieb hartnäckig. Ich sagte schließlich, gut ich akzeptiere dich als "Papa Fox", weil du clever wie ein Fuchs bist... Fuchs oder nicht sagte er, Hauptsache Papa. Ein paar Tage später habe ich seinen Paß gesehen, der Geburtstag ist der 1. Januar.... ich stellte Ihn zur Rede und er antwortete :" Feierst Du nicht an deinem Geburtstag ein neues Jahr? Und tust Du dies nicht auch am 1. Januar, also meinem Geburtstag? Ich habe mit jedem Menschen auf der Welt am gleichem Tag Geburtstag!" sagte er und grinste auf seine sympathisch dreiste Weise... Ich kann damit Leben, habe jetzt indische Familie, brauche kein Hotel in Jaipur sondern Papas Haus ist mein Haus und falls ich mal in echte Nöte kommen sollte in Indien, wäre mein Papa Fox derjenige den ich anrufe und der mir helfen würde und alles in seiner Macht stehende tun würde für mich! Was hätte ich verloren wenn ich mich belogen gefühlt hätte und beleidigt abgezogen wäre???

"Es ist nicht unsere Aufgabe, einander näher zu kommen, so wenig wie Sonne und Mond Zueinanderkommen oder Meer und Land. Unser Ziel ist, einander zu erkennen und einer im anderen das zu sehen und zu ehren, was er ist: des anderen Gegenstück und Ergänzung" (Hermann Hesse, Narziß und Goldmund)

Warum diese Geschichte? Ram Bhandari hat mir erzählt, nur seine Frau arbeitet als Angestellte in einem Hotel, er hat keinen Job. Aber es ging das Gerücht um, daß er Reisebusse in einem Touristengebiet besitzt und dies wurde letztlich von seinem eigenem Sohn Dinesh Bhandari bestätigt. Diesmal fühlte ich mich belogen. Nach Rücksprache mit den Spendern in Deutschland, war es deren Wille, daß die Gelder dennoch Yossa Nepal zugute kommen sollten. Die Praktikanten Bianca und Alfi haben mit dem Geld einen großen Topf gekauft, da vorher nur ein Topf zum Reiskochen vorhanden war, aber keiner um Linsen zuzubereiten. Die Kinder waren also mangelernährt, da nur Reis nicht ausreicht, aber Reis mit Linsen, Dal Bat, nepalisches Nationalgericht, ausreichende Vitamin und Mineralversorgung sichert. Weiteres Geld wurde in Lebensmittel, Miete für das Waisenhaus und Schuluniformen direkt investiert, so daß die deutschen Gelder hoffentlich sinnvoll investiert wurden. Doch wie im Eingangstext beschrieben bleiben furchtbare Zweifel an dieser Aktion...

Ich habe noch aus eigener Tasche ein muslimisches Waisenhaus in Katmandu unterstützt, da dort sehr gute Arbeit geleistet wird und der Islam eine Religion der Nächstenliebe und des Friedens ist und es sehr wichtig ist, das Moslems gebildet sind um nicht zu radikalen unislamischen Handlungen angeleitet zu werden im Namen der Religion. Diese hatte kein Bankkonto, so daß diese 100€ möglicherweise nicht vom deutschem Finanzamt anerkannt werden als Ku - Ki e.V. Spende... wenn dies so ist, ist dies nicht steuerlich für mich absetzbar und wird aus der Ku - Ki e.V. Jahresbilanz gestrichen und ist ausschließlich von mir Selbst zu verantworten!


Wenn Sie, Du lieber Leser etwas von deinem schwerverdienten Geld an Ku - Ki e.V. spenden möchtest wäre uns dies eine große Freude und Ehre und wir werden alles tun damit das Geld dort ankommt wo es ankommen soll! Alle sind Eingeladen sich zu beteiligen und ihren Beitrag zu leisten, wie auch immer dieser aussehen mag für Ideen und Vorschläge sind wir immer offen, allerdings haben wir kein Entwicklungshilfeprojekt mehr und würden das Geld an eine renomierte Hilfsorganisation weiterleiten.

Flonn Decker - Künstler, Entwicklungshelfer

 

Hannover, 25.7.2008